Meldung vom 01.02.2007

7 Tage nach Verabschiedung: CDU diskutiert über Schulgesetz

Schlechtes Timing: Genau eine Woche und einen Tag ist es nun her, dass die Große Koalition in Kiel das heftig umstrittene neue Schulgesetz im Landtag verabschiedete – ausgerechnet jetzt kommt die Bad Oldesloer CDU auf die Idee, sich unter dem Titel „Fluch oder Segen“ kritisch mit der Gesetzesnovelle auseinanderzusetzen.



Zum Glück saßen jedoch die Schulleiter von vier weiterführenden Oldesloer Schulen auf dem Podium – so versprachen sich die etwa 80 anwesenden SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen Ausblicke auf die Umsetzung des neuen Schulgesetzes in Bad Oldesloe.

Doch zunächst startete der CDU-Landtagsabgeordnete Wilfried Wengler mit einem Kurzreferat zu den Inhalten und Zielen des Gesetzeswerkes. Wengler, in seiner Fraktion eigentlich für Wohnungsbau zuständig, outete sich dabei gleich als „Nicht-Lehrer“, wie er es nannte. Der Vortrag des Landtagsabgeordneten sorgte dann aber eher für weitere Fragen bei den Zuhörern, als dass er für Klärung sorgte. Und auch Wengler selbst endete mit der Feststellung, auch er könne keine abschießende Antwort auf die Frage, ob das neue Schulgesetz nun ein Fluch oder Segen sei, geben.

Wenn man bedenkt, dass der selbe Mann vor einer Woche mit seiner Stimme dieses Gesetz mitbeschlossen hat, macht das schon etwas Angst. Es ist aber leider symptomatisch für dieses Gesetz, welches offenbar möglichst schnell verbschiedet werden sollte, bevor einer der beiden Koalitionspartner wieder Bedenken anmeldet. Dementsprechend sind viele Detailfragen noch nicht genauer geklärt oder schlicht und einfach nicht bedacht worden.

Genau das machte sich dann auch in den Fragen des Publikums bemerkbar. So wurde etwa gefragt, wie die Qualität der gymnasialen Ausbildung in den künftig größeren Kursen und in der um ein Jahr verkürzten Zeit besser werden soll. Wengler fehlten hier offensichtlich die Argumente, um diese eigentlich nur aus Kostengründen getroffenen Entscheidungen als Verbesserung darzustellen: Die Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre, erklärte er, stehe mit der angeblich hohen Zahl von Studienabbrechern in keinerlei Verbindung. Außerdem sei der Trend in anderen Bundesländern auch Richtung achtjähriges Abitur. Schleswig-Holstein sei hier nicht Vorreiter, sondern „reiht sich nur in einen Trend ein“. Bleibt nur zu hoffen, dass die Politik nicht auch künftig Trends ungeprüft kopiert…  Den zukünftig größeren Kurs-Teiler in der Oberstufe (29) kommentierte Wengler mit den Worten: „Ich glaube die Zeit der kleinen Kurse ist vorbei. Mir ist jedenfalls keine Schule bekannt, wo es noch kleinere Kurse gibt.“ Die Frage, die sich den Zuhörern jedoch stellte, war: Wer wenn nicht die Politik kann daran etwas ändern?

Trotz zum Teil großer Widerstände gegen einzelne Teile der Reform verlief die Diskussion erstaunlich sachlich und konstruktiv. Einzig der Stormarner JU-Chef Sebastian Bigdon steuerte hin und wieder wertgeladene Beiträge bei. Den Gemeinschaftsschul-Beschluss seiner Partei immer noch nicht verschmerzt, sprach er sich gegen das längere gemeinsame Lernen aus. Schließlich, so erzählte er, habe er im Biologie-Unterricht gelernt, dass immer das schwächste Glied einer Gruppe das Tempo bestimme. Anschließend äußerte er noch einige negative Erfahrungen mit Hauptschülern, die er im Glinder Schulzentrum gesammelt hat. Hoffen wir, dass sich die JU-Bildungspolitik nicht nur auf aus dem Tierreich gewonnene Erkenntnisse sowie realitätsferne Stereotype von Hauptschülern stützt.

Im sachlichen Teil ging es dann vor allem um die Perspektiven der Oldesloer Schulen. Von Theoder-Mommsen-Realschule, Theodor-Storm-Realschule, Integrierter Gesamtschule sowie Klaus-Groth-Grund- und Hauptschule waren jeweils VertreterInnen der Schulleitung anwesend, um hier einen Ausblick zu geben. Während sich für TMS (Abitur in acht Jahren) und IGS (Wandel zur Gemeinschaftsschule) relativ wenig ändert, werden TSS und KGS in ihrer jetzigen Form nicht weiter bestehen bleiben können. Bad Oldesloe wird mindestens eine Regionalschule anbieten müssen; denkbar wäre außerdem eine weitere Gemeinschaftsschule. Ein Wörtchen mitzusprechen haben wird dann aber auch die Schule am Masurenweg. Die größte Grund- und Hauptschule im Land war an diesem Abend von der CDU aber leider vergessen worden…